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Customer Lifetime Value verständlich erklärt

CLV ist keine Marketingkennzahl. Es ist der Preis, den eine Kundenbeziehung Ihnen wert sein darf, und die Disziplin, die entscheidet, wohin jeder Euro Ihres Akquise- und Bindungsbudgets fließt.

Kurz gefasst

  • Der Customer Lifetime Value verschiebt die Frage von "Wie viel hat der Kunde gekauft" zu "Wie viel wird er wert sein" und setzt damit eine belastbare Obergrenze dafür, was Sie für Akquise und Bindung ausgeben dürfen.
  • Die Ökonomie ist asymmetrisch. Einen neuen Kunden zu gewinnen kostet fünf- bis fünfundzwanzigmal so viel, wie einen bestehenden zu halten, und schon fünf Prozentpunkte mehr Kundenbindung können den Gewinn um 25 bis 95 Prozent steigern.
  • CLV nützt nur zusammen mit seinen Treibern. Zu wissen, wer wertvoll ist, ohne zu wissen, warum diese Kunden bleiben oder gehen, ergibt ein Ranking, aber keine Strategie.

Die meisten Unternehmen können Ihnen sagen, was ein Kunde im letzten Quartal ausgegeben hat. Schon deutlich weniger können sagen, was dieser Kunde über die gesamte Dauer der Beziehung wert ist, und noch weniger lassen diese Zahl darüber entscheiden, wohin der nächste Marketing-Euro fließt. Genau in dieser Lücke versickert die Marge, ohne dass es jemand bemerkt.

Der Customer Lifetime Value schließt diese Lücke. CLV ist der Barwert des Umsatzes, oder besser noch der Marge, die Sie von einem Kunden über die gesamte Beziehung hinweg erwarten. Er bündelt drei Dinge in einer einzigen Kennzahl: wie lange Sie den Kunden halten, wie viel er je Periode ausgibt und was es kostet, ihn zu betreuen. Richtig eingesetzt, ist er keine Schönwetterkennzahl, sondern wird zur harten Grenze für Ihr Budget.

CLV bestimmt den Preis, den Sie zahlen dürfen

Am wertvollsten ist CLV dort, wo er die Akquisekosten deckelt. Wenn Sie wissen, was ein Kunde wert ist, wissen Sie auch, was Sie vernünftigerweise für seine Gewinnung ausgeben dürfen, ohne den Gewinn aufzuzehren. Ohne diese Obergrenze wird Akquise zum Ratespiel, und geraten wird meist zu großzügig in den Segmenten, die spannend wirken, und zu knausrig in jenen, die sich erst langfristig auszahlen.

Diese Asymmetrie ist der Grund, warum das so sehr ins Gewicht fällt.

5–25x Um so viel teurer ist es, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu halten, je nach Branche und Vorgehensweise. Quelle: Harvard Business Review

CLV ist keine Zahl für den Report. Es ist die Obergrenze, gegen die Sie investieren.

Wenn Akquise so viel mehr kostet als Bindung, liegt der Gewinn nicht in einem größeren Funnel, sondern in einer längeren Beziehung. CLV macht diese längere Beziehung messbar, und sobald sie messbar ist, lässt sie sich auch steuern.

In der Kundenbindung potenziert sich der Wert

Am schnellsten steigt der CLV nicht, wenn Kunden in einem einzelnen Monat mehr ausgeben, sondern wenn sie länger bleiben. Die Verweildauer ist der Multiplikator, und schon kleine Veränderungen daran lassen die gesamte Zahl spürbar ausschlagen. Diese Erkenntnis prägt die Ökonomie der Kundenloyalität, seit Frederick Reichheld sie bei Bain erstmals in Zahlen gefasst hat.

25–95% So stark steigt der Gewinn, wenn die Kundenbindung um fünf Prozentpunkte zunimmt. Quelle: Bain & Company

Dieselbe Logik gilt im Vertrieb. An jemanden zu verkaufen, den Sie ohnehin schon betreuen, gelingt weit eher, als einen Fremden zu überzeugen. Bestandskunden bringen also nicht nur mehr Wert, sondern verursachen auch geringere Kosten, um diesen Wert zu heben.

Abbildung 1

Die Wahrscheinlichkeit spricht für die Kunden, die Sie bereits haben

Bestandskunde60–70%
Neuer Interessent5–20%

Quelle: Paul Farris et al., Marketing Metrics, Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Verkaufs.

Deshalb ist ein CLV-Modell, das die Kundenbindung ausblendet, nur ein halbes Modell. Die Zahl hängt gerade an dem Hebel, den Sie am stärksten in der Hand haben.

Wie CLV in der Praxis modelliert wird

Die Modelle reichen von der Überschlagsrechnung bis zur Prognose für jeden einzelnen Kunden, und welches passt, hängt von Ihren Daten und der anstehenden Entscheidung ab. Die Abstufung sieht ungefähr so aus:

  1. Historischer Durchschnitt. Durchschnittliche Marge je Kunde und Periode, multipliziert mit der erwarteten Verweildauer aus Ihrer Bindungskurve. Schnell, nachvollziehbar und gut genug, um eine erste Obergrenze für die Akquise festzulegen.
  2. Segmentbasiert, meist RFM. Gruppieren Sie Kunden nach Aktualität, Häufigkeit und Umsatz und rechnen Sie Bindung und Ausgaben dann auf Segmentebene. Hier sollten die meisten Consumer-Unternehmen einsteigen, denn das ist fein genug, um danach zu handeln, ohne sich im Detail zu verlieren.
  3. Prädiktiv. Survival-Modelle oder maschinelles Lernen schätzen Verweildauer und Ausgaben für jeden einzelnen Kunden. Der Aufwand lohnt sich nur, wenn individuelle Scores auch eine individuelle Behandlung auslösen, etwa ein Rückgewinnungsangebot oder eine eigene Servicestufe.

Für welches Modell Sie sich auch entscheiden: validieren Sie es. Testen Sie es rückwirkend gegen eine Holdout-Stichprobe, verfolgen Sie, wie der prognostizierte Wert dem tatsächlich realisierten über die Zeit folgt, und passen Sie das Modell an, sobald sich das Verhalten ändert. Eine CLV-Zahl, die niemand auf die Probe gestellt hat, ist eine Prognose im Gewand einer Tatsache.

Wert ohne Treiber ist bloß ein Ranking

Der häufigste Fehler besteht darin, CLV als Ziellinie zu verstehen. Sie erstellen ein sauberes Ranking der Kunden nach Wert und merken dann, dass es Ihnen nichts darüber verrät, was zu tun ist. Ein wertvoller Kunde, der sich still abwendet, braucht eine andere Reaktion als ein wertvoller Kunde, der floriert, und der Score allein kann die beiden nicht auseinanderhalten.

Seinen Wert entfaltet CLV erst neben seinen Treibern. Verknüpfen Sie ihn mit dem Abwanderungsrisiko, und Sie erkennen, welche wertvollen Accounts Sie zuerst verteidigen müssen. Verknüpfen Sie ihn mit den Gründen für die Kundenbindung, und Sie erfahren, welche Maßnahmen die Verweildauer wirklich verändern, statt nur mit ihr zu korrelieren. Die Personalisierung, die daraus folgt, ist nicht bloß Kosmetik: Unternehmen, die sie beherrschen, erzielen damit rund 40 Prozent mehr Umsatz als der Durchschnitt, gerade weil sie ihre Maßnahmen an Wert und Absicht ausrichten, statt sie wahllos über den gesamten Kundenstamm zu streuen.

Es geht um Fokus. Investieren Sie mehr dort, wo der Wert hoch und die Bindung fragil ist, investieren Sie sparsam, wo das nicht zutrifft, und hören Sie auf, jeden Kunden über einen Kamm zu scheren.

Wie wir das gemeinsam mit Kunden aufbauen, zeigen unsere Arbeiten zu Lifetime Value und Churn Modeling oder ein Blick in die Case Studies.

Quellen

  1. Harvard Business Review, "The Value of Keeping the Right Customers," hbr.org.
  2. Bain & Company, "Retaining Customers Is the Real Challenge," bain.com.
  3. Paul Farris et al., "Marketing Metrics," zitiert in Optimove, "The Business Case for Customer Marketing," optimove.com.
  4. McKinsey & Company, "The Value of Getting Personalization Right, or Wrong, Is Multiplying," mckinsey.com.

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